SAMMELGEBIET · ULM · NEU-ULM

Ulm und Neu-Ulm auf alten Ansichtskarten und Briefen

Münster, Rathaus, Donauufer und der Schneider von Ulm – kaum eine Stadt in Süddeutschland ist auf alten Ansichtskarten so vielfältig zu sehen wie Ulm. Dazu kommt eine Besonderheit, die es nur hier gibt: zwei Städte, zwei Länder, zwei Postverwaltungen.

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Ansichtskarte Ulm wird württembergisch 1810
Ansichtskarte Gruss aus Ulm um 1912
Ansichtskarte Ulm, Neue Donaubrücke mit Münster

Eine Stadt an der Donau – zwei Postverwaltungen

Seit 1810 bildet die Donau die Grenze: Ulm kam zum Königreich Württemberg, das Ufer gegenüber blieb bayerisch – dort wuchs Neu-Ulm heran. Für die Post hatte das lange Folgen. In Ulm galten württembergische Briefmarken, bis Württemberg 1902 zu den Marken der Reichspost wechselte. In Neu-Ulm klebte man bayerische Marken, und zwar bis 1920.

So tragen Briefe und Karten, die am selben Tag auf beiden Seiten der Donau aufgegeben wurden, oft ganz verschiedene Marken und Stempel. Gerade diese Gegensätze machen Ulm und Neu-Ulm für Sammler von Heimatbelegen reizvoll.

Ulmer Postgeschichte in vier Stationen

Paris Dimitriadis aus unserem Team sammelt und erforscht die Postgeschichte Ulms. Aus seinen Exponaten stammen die folgenden vier Stücke – sie zeigen, wie sich die großen Umbrüche der Ulmer Geschichte auf Briefen und Karten wiederfinden.

Brief aus der Reichsstadt Ulm 1785 mit Stempel D’ULM

BIS 1802

Die Freie Reichsstadt

Jahrhundertelang war Ulm Freie Reichsstadt – mit eigener Münze und einem Handel von den Niederlanden bis nach Italien. Briefe tragen noch keine Marken; den Abgangsort zeigen handschriftliche Vermerke oder frühe Stempel wie das „D’ULM“ auf diesem Brief von 1785 an den Bürgermeister von Isny.

Portofreier Brief von Ulm nach Illertissen mit Rayonstempel R3 Ulm

1802–1810

Acht Jahre bayerisch

Mit der Mediatisierung 1802 verlor Ulm seine Reichsfreiheit und kam zu Bayern. Briefe tragen nun bayerische Rayonstempel wie „R3 ULM“. Der Vermerk „Caa Doi“ (Causa Domini) kennzeichnet eine portofreie Sendung im Namen des Landesherrn. 1810 wurde Ulm württembergisch – das Ufer gegenüber blieb bayerisch.

Brief vom 21. Oktober 1805 mit Feldpoststempel No. 4 Arm. de Hollande

OKTOBER 1805

„Ulm est à nous“ – Napoleon vor Ulm

Am 20. Oktober 1805 kapitulierte die österreichische Armee unter General Mack in Ulm. Einen Tag später schrieb der französische Ingenieuroffizier Vincent-Yves Boutin, der zuvor Ulms Befestigungen erkundet hatte, nach Nantes: „Ulm ist unser.“ Der Brief lief über die französische Feldpost Nr. 4 mit dem nur wenige Monate verwendeten Stempel „ARM. DE HOLLANDE“.

Die ganze Geschichte des Briefes →

Leporello Festzug zur Vollendung des Ulmer Münsters 1890

1810–1914

Festung, Industrie und Münsterturm

Mit der Bundesfestung, Firmen wie Magirus und Wieland und der Eisenbahn wuchs Ulm im 19. Jahrhundert zur modernen Stadt. Höhepunkt war 1890 die Vollendung des Münsterturms. Zum Festzug erschien dieses Leporello: ausgefaltet über 14 Meter lang und deshalb kaum je mit der Post verschickt.

Ulm 1810–1914 auf Briefen und Karten →

Texte und Stücke: Paris Dimitriadis. Ausführlich zum Boutin-Brief: Paris Dimitriadis, „Napoleon’s Spy: Vincent-Yves Boutin and the Strategic Role of Intelligence in the 1805 Ulm Campaign“, The London Philatelist, Mai 2025.

Wie die Straßenbahn durch das alte Ulm und nach Neu-Ulm fuhr, zeigt unser Ratgeber Die Straßenbahn in Ulm und Neu-Ulm auf alten Ansichtskarten →

Beliebte Motive

Das Münster

Mit seinem 1890 vollendeten Hauptturm von 161,53 m der höchste Kirchturm der Welt – auf unzähligen Karten das Wahrzeichen, oft mit Donau und Stadtsilhouette.

Rathaus und Marktplatz

Das bemalte Rathaus mit Marktbrunnen, Freitreppe und astronomischer Uhr gehört zu den häufigsten Stadtansichten.

Donauufer, Metzgerturm und Fischerviertel

Stadtmauer, Metzgerturm, Gerberhäuser an der Blau und die Donaubrücken zeigen das alte Ulm am Wasser.

Ulmer Originale

Der Schneider von Ulm, Albrecht Berblinger, mit seinem Flugversuch 1811, der Ulmer Spatz und Mundartkarten wie „Gruss aus Ulm“.

Bahnhof und Hauptpost

Bahnhofsvorplatz und Hauptpostamt um 1900 – beliebt bei Sammlern von Verkehrs- und Postmotiven.

Feste, Stadtteile und Umland

Ulmer Messe und Volksfest, Fischerstechen, dazu Söflingen, Wiblingen und Neu-Ulm – Karten kleinerer Orte sind oft seltener.

Ansichtskarte Ulm, Bahnhof und Hauptpostamt 1904
Ansichtskarte Albrecht Berblinger, der Schneider von Ulm, 1931

Worauf Sammler achten

  • Frühe Karten – farbige Lithografien und „Gruss aus“-Karten der Zeit um 1900 sind besonders gesucht.
  • Gelaufene Karten – mit gut lesbarem Ulmer oder Neu-Ulmer Stempel und passender Marke, württembergisch oder bayerisch.
  • Feldpost – als Garnisonsstädte haben Ulm und Neu-Ulm viel Feldpost hinterlassen, vor allem aus dem Ersten Weltkrieg.
  • Künstlerkarten – gezeichnete Ansichten bekannter Verlage und Künstler.
  • Erhaltung – möglichst ohne Knicke, Risse und Flecken; kleine Gebrauchsspuren gehören zu alter Post dazu.

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Jede Karte und jeder Brief ist bei uns einzeln beschrieben und abgebildet – mit Motiv, Verlag, Stempel und Laufweg.

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